(Kunst-) Handwerkliche Aus- und Weiterbildung an der Escuela Municipal de Artesanías in Trelew

Das jüngste Projekt von Edumania-Argentina e.V. ist die Escuela Municipal de Artesanías (EMA), eine städtische Ausbildungseinrichtung für verschiedene Handwerke in Trelew.

In vier Ausbildungswerkstätten werden Holz-, Metall-, Textil- und Keramikhandwerker*innen unterrichtet, zur Schaffung hochwertigen Kunsthandwerks. Diese Angebote richten sich an diejenigen, die sich in einem Handwerk weiterentwickeln möchten und die Möglichkeit und Interesse haben, handwerklich ganzheitlich zu produzieren.

Die öffentliche Schule ist kostenlos und verfügt über eine kollektive Ausbildung, bei der jede/r die Möglichkeit hat zu lehren und zu lernen. Nach bestandener Grundschule und einem Alter von mind. 15 Jahren. Die Ausbildungsdauer beträgt ca. 3 Jahre, mit wöchentlich zwei kompletten Werkstatt-Tagen.
Ergänzende Workshops beinhalten Design und Zeichnen, Kunstgeschichte und Materialtechnologie. EMA-Auszubildende haben außerdem die Möglichkeit, kurze Fachseminare in verschiedenen Branchen zu belegen.
Von der Gründung 2010 bis heute haben mehr als 500 Auszubidende an den Workshops teilgenommen und 54 haben den umfassenden Ausbildungsprozess abgeschlossen. Viele von ihnen produzieren und teilen ihr Wissen in der Region und in anderen Provinzen.

Gleichzeitig handelt es sich bei der Schule um einen sozialen Treffpunkt, einen Ort für Weiterbildung, Austausch und Inspiration für die eigene Arbeit. Die Schule ist Mitveranstalter mehrerer Festivals, Messen und Wettbewerbe, bei denen die Produkte präsentiert und verkauft werden –  von Modenschauen bis zu Wohnaccessoires.

Maria Victoria Drisaldi, unsere Vertrauensperson ist selbst Töpferin und bildet aus. Am Kurs nehmen aktuell 8 Studierende im ersten Jahr, und je 5 im zweiten und dritten Jahr teil.
Darüber hinaus werden jährliche Workshops veranstaltet, z.Z. werden Workshops angeboten zur präkolumbianischen Keramik, zum Textildruck und ein Gartenworkshop.

 

Typographisches Talent hilft beim Setzen der Stempel-Lettern.
Auf dem Poster, das sie hochhalten steht:
Wir sind Wasser, Erde, Feuer und Luft

Ein historischer Tag für unsere Schule, im Mai 2023: Die Gemeinde hat beschlossen, mit der Vermietung des künftigen Hauses fortzufahren. Es gibt viel zu tun, Renovierungen, Heizung, Ausstattung, aber wir wissen auch, dass wir viele sind und dass wir auf dem Weg der Träume nicht allein sind.
Nach dem Aufräumen und Organisieren, teilten wir eine Choripaneada und die Versammlung begann, bei der wir beschlossen, mitzuhelfen, Vorkehrungen zu treffen und die Mitgliederkampagne der La Minga Foundation offiziell zu starten.
Den Nachmittag schlossen wir mit dem Austausch von Samen, Setzlingen und Lebensmitteln ab.
Wir danken den Freunden und Familien, die sich gemeldet haben, um zu helfen und zu teilen.
Wir laden Sie ein, sich als Partner anzuschließen, um diesen Traum zu verwirklichen!
(aus: fb-Bericht der Schule)

Aus einer Selbstdarstellung der Schule, 2020:
Ein Ziel der Städtischen Handwerksschule ist die umfassende Ausbildung all derer zu fördern, die das Interesse und die handwerklichen Fähigkeiten für die Herstellung von Kunsthandwerk besitzen.
Wir sehen darin einen wichtigen Faktor der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklung. Es ermöglicht, die Stadt Trelew als pädagogisches und kulturelles Vorbild voranzubringen. Dabei kommen die handwerklichen Ausdrucksformen, Träger von Identitäten, Werten und Bedeutungen in ihrer besten Form zum Ausdruck.

Ein weiteres Ziel ist die Vervielfachung der Ausbildungsplätze im Handwerk. Kindern und Jugendlichen diese Erfahrungen näher zu bringen, ist eine Möglichkeit, das Bewusstsein zu schärfen und die Liebe für das Handgemachte zu festigen.
Unsere Auszubildenden erreichen diese Ziele, indem sie das, was sie an der EMA gelernt haben, weitergeben.

Die erste Unterstützung durch Edumania-Argentina e.V. in Kooperation mit CAARNE e.V. bestand in der Anschaffung einer weiteren Kamera und zwei Tabletts zur Visualisierung, der Präsentation der Produkte auf den digitalen Medien und Plattformen. Die Geräte finden bei Recherchen im Unterricht ihren Einsatz, z.B. zu den verschiedenen Arten von Ton, die in der Region vorzufinden sind, ebenso beim Informationsaustausch bei Bewerbungen zu Ausstellungen und anderen Präsentationen.

Textilwerkstatt

Teilnehmerin der
Spinnwerkstatt.
Sie lernen Materialien
und Methoden des
Spinnens kennen.

Das Arbeiten an den Webstühlen.

 

(Video, spanisch) Das Video erklärt den Prozess vom Aufbau des Webstuhls bis zur Fertigstellung des Produkts.
Fünf Teilnehmerinnen des Textilworkshops im zweiten und dritten Textil-Modul der Schule setzten in die Praxis um, was sie im Unterricht gelernt haben.
Die Idee: Die Lehrerin schlug vor, von kleinen Werkstücken nun zu einem größeren überzugehen. Angedacht war einen Poncho herzustellen.
Der Prozess: Berechnung der benötigten Wollemenge, Einkauf der Wolle. Besprechung und Entscheidung des Designs des Ponchos. Da die Schule nicht über einen genügend großen Webstuhl verfügte, bot die Lehrerin an, ihren eigenen zur Verfügung zu stellen. Die Einrichtung des Webrahmens dauerte eine Woche.
Spannen der Kettfäden, anschließend begann der Webprozess, der insgesamt drei Monate in Anspruch nahm. Während des Webens konnten die Teilnehmerinnen das vertiefen, was sie im theoretischen Unterricht gelernt hatten. Das gemeinsame Arbeiten im Team half ihnen auch Fehler zu erkennen und zu korrigieren.
Letztlich wurde aus dem geplanten Poncho eine größere Decke. Mit der entstandenen Decke, einer „matrón“ war die Gruppe sehr zufrieden und dankte der Lehrerin für alles, was sie ihnen beibrachte.
Das Video wurde mit der von Edumanía geförderten Kamera aufgenommen.

Arbeiten beim Filzen in der Textilwerkstatt.

 

Metallwerkstatt

aus reg. Pressebericht: Am 26. November 2023 wurde der 24. Nationale Salon für Kreativität und handwerkliches Design eröffnet, der von der Städtischen Handwerksschule Berazategui (Großraum Buenos Aires) organisiert wurde. Die Messe ist ein Vorbild und Orientierungspunkt für diese Gemeinde. An diesem Event nahmen auch Handwerker*innen aus Trelew teil.

aus reg. Pressebericht: Glückwunsch an unsere Studentin im Hauptfach Metall, Paula Alemán, die mit der ersten Erwähnung in der Kategorie Zeitgenössische Gebrauchsmetalle ausgezeichnet wurde.
Der Handwerksmeister aus Trelew, Juan Cúneo erhielt den ersten Preis in der Kategorie Traditionelles Metall- Kunsthandwerk. Er wurde durch das vom Kulturministerium der Nation gewährte Manta-Stipendium gefördert und gab den Workshop Ring mit Steinfassung, der sich an 9 fortgeschrittene Studenten der Metallhandwerkslaufbahn richtete. „Alle  Teilnehmer*innen haben es geschafft, ihren Ring mit hervorragender Qualität und Technik zu entwerfen und fertigzustellen. Wir von der EMA sind den Meistern sehr dankbar dafür, dass sie diese Workshops abhalten.“

Keramikwerkstatt

Viktoria D. schreibt an Edumania: Die Arbeit in der Werkstatt beinhaltet vornehmlich den Umgang mit den Materialien. In der Region gibt es verschiedene ausgezeichnete Tonqualitäten und das ist etwas, mit dem sich die Auszubildenden auseinandersetzen müssen: mit dem Erkennen der Rohstoffe aus der Region, dem Erlernen des Umgangs mit den Brennöfen und dem Verstehen, wie die Materialien funktionieren.
Neben der Ausbildung an unserer Schule gibt es eine Keramikerin, die in den Werkstätten der Gemeinde Gaiman (eine Stadt 20 km von Trelew entfernt) arbeitet, und andere Kollegen, die in den Werkstätten mit Erwachsenen und Kindern im Viertel Moreira arbeiten. Unsere Arbeit wird von anderen Institutionen anerkannt, da wir die einzige Berufsschule in der Gegend sind.

Diesen Brennofen haben wir im letzten Jahr aufgebaut und nun wieder in Betrieb genommen, um  Keramikobjekte fertigzustellen.

In diesem Jahr wollen wir einen weiteren, leistungsfähigeren Brennofen aufstellen, um unsere Möglichkeiten zu erweitern. Zudem gibt es auch einen kleinen elektrischen Brennofen.

Edumania finanzierte zwei spezielle hitzebeständige Platten zum Bau des Ofens.

Das Angebot der Schule steht den regional ansässigen Kunsthandwerkern offen. Im Rahmen der Weiterbildung können auch Werkstatträume und Werkzeuge genutzt werden, v.a. auch Brennöfen, technische Geräte und Maschinen, die sich der einzelne Kunsthandwerker kaum leisten könnte.

 

Zeichnen und Farben

In den Zeichnungen finden sich traditionelle und regionale Ornamente in ihrer reichen Formensprache wieder. Sie können als Vorlagen für Bemalung, Verzierung und als Webmuster dienen.

Ein Seminar über Naturtinten und -farben für die Anwendung auf unterschiedlichen Materialien, hier Holz und Papier.
Die Ergebnisse des Umgangs mit natürlichen Farben werden in die Bearbeitung zukünftiger Handwerksprodukte einfließen.

 

Teilnehmer*innen des Zeichenkurses bei Übungen zu Licht und Schatten

Holzbearbeitung

aus fb-Bericht der Schule: die Schule wurde für das Projekt Together for Good Causes ausgewählt, mit dem die Holzwerkstätten so ausgestattet wurden, dass die Absolventen ihre Abschlusserzeugnisse herstellen können.

Aus einer Selbstdarstellung der Schule: Berufe für ein gutes Leben: Obwohl die Schule verwaltungstechnisch eine staatliche Schule ist, hat ihr Lehrerteam zusammen mit den Handwerkern und Handwerkerinnen, die sie absolviert haben, die kollektive Arbeit gestärkt und daraus ein selbst verwaltetes und gemeinschaftliches Projekt geschaffen. (…) der Schulraum dient oft als Gemeinschaftswerkstatt. Die Werkzeuge unterliegen jedoch einem natürlichen Verschleiß. Es ist schwierig für uns, jede Werkstatt  mit den Werkzeugen auszustatten, die für die Anzahl der dort arbeitenden Kunsthandwerker gebraucht werden. (…) Wir organisieren Treffen, Workshops in den Stadtvierteln und zweimal im Jahr veranstalten wir Messen.

Abschluss des Schuljahres an der Städtischen Handwerksschule Trelew

Die Schüler*innen der verschiedenen Fachrichtungen erhalten ihre Zertifikate.

Die städtische Handwerksschule, die zur Bildungskoordination der Stadt Trelew gehört, veranstaltete ihre jährliche Ausstellung und überreichte den Absolvent*innen ihre Diplome.
In der Ausstellung wurden die Produkte der Auszubildenden der vier Studiengänge und der offenen Werkstätten ausgestellt. An einigen Ständen wurden die Produkte der Absolvent*innen verkauft.

Der Koordinator der Agentur für territoriale Entwicklung, würdigte „die Arbeit der Auszubildenden und das Engagement der Handwerksmeister, die diesen Lernprozess das ganze Jahr über begleiten“. Er betonte, dass „die Gemeinde diese Ausbildungsstätten fördert, um den Einwohnern Möglichkeiten und Alternativen zu bieten“.

Die Koordinatorin der Städtischen Schule, R. Cartolano, hob die „umfassende (…) und kollektive Ausbildung der Einrichtung hervor, die darauf abzielt, die Absolvent*innen in die Lage zu versetzen, ihr eigenes Unternehmen auf die kreativste Art und Weise und mit einem starken Sinn für Identität und Qualität zu gestalten. (…) neben den Techniken jedes Handwerks beinhaltet die Ausbildung auch Marketingfragen (…).“
(Auszüge aus reg. Presseberichterstattung)

Marketing als Bestandteil der Ausbildung

Absolventen und Lehrer der EMA gründeten die La Minga-Stiftung als Instrument, das ihnen Vorteile für mit der Schule verbundene Handwerker ermöglicht. In dem Store Patagonia Creativa am Flughafen können sie ihre Arbeiten zum Verkauf präsentieren. Während der Pandemie wurde zudem eine virtuelle Plattform installiert, um die Arbeit der Schule aufzuwerten.
Inzwischen nahm die Bildungseinrichtung an nationalen und internationalen Messen zur Förderung des Chubut-Handwerks und lokaler Rohstoffe teil und organisierte zusammen mit ihren chilenischen Kollegen fünf Jahre lang das Wollfestival. (aus fb-Bericht der Schule)

La Minga-Stiftung: Cartolano betont, dass „die Stiftung darauf abzielt, das kulturelle Erbe zu fördern, Arbeit zu schaffen und die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Compañeras zu fördern, die in einer Sozial- und Solidarwirtschaft arbeiten, mit der Verantwortung, für unsere Gemeingüter zu sorgen“, und fügte hinzu, dass sie gutes Leben als “einen gemeinschaftlichen Weg aus der Perspektive des fairen Handels versteht, der es uns ermöglicht, unsere Würde wiederzuerlangen, indem wir Dinge ernsthaft und nicht in Serie, von Hand und nicht maschinell, unterschiedlich und nicht identisch tun.“

Wir arbeiten seit einem Jahr daran, alte Techniken zu erlernen, die auf recycelte Materialien angewendet werden und dank städtischer Reclaimer verfügbar sind. (aus fb-Bericht der Schule)

Ankündigung einer Verkaufs-Ausstellung mit Beteiligung verschiedener Organisationen.

Die La Minga-Stiftung konstituierte sich unter Leitung von Professorin R. Cartolano, Koordinatorin der Schule, zum Vertrieb der kunsthandwerklichen Objekte. R. Cartolano erklärt: „(…) Wir arbeiten unter dem Aspekt des fairen Handels, bieten Qualitätshandwerk mit patagonischer Identität an, fördern die Verwendung lokaler Rohstoffe und schaffen Einkommen für etwa 30 Familien.“

Bericht zu einer Verkaufspräsentation des Fernsehkanals 12Noticias, 2023.

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